03.08.2010
Ein Projekt anlässlich der Kulturhauptstadt zeigt Nachhaltigkeit und bleibt den Anrainerstädten des Rhein-Herne-Kanals auch in Zukunft erhalten: Das Projekt „Kanalschiff“ der Weißen Flotte Baldeney GmbH (WFB), einem kommunalen Unternehmen der Stadt Essen, wird 2011 fortgesetzt. Das Personenschifffahrts-Unternehmen zieht nach 100 Tagen auf dem Kanal eine erfolgreiche Bilanz.
„Unser Mut – auch ohne finanzielle Unterstützung durch Dritte – hat sich bezahlt gemacht“, zieht Geschäftsführer Franz-Josef Ewers eine erfolgreiche Bilanz. Mit 100 Fahrgästen pro Betriebstag hat das Unternehmen kalkuliert. Nach 42 Tagen auf Linie sind nun im Schnitt 180 Fahrgäste mitgefahren. Neben diesen 7.560 Linienfahrgästen kommen noch knapp über 2.100 Personen hinzu, die an 13 Sonderfahrten und zwölf Charterfahrten teilgenommen haben. „Wir sind nah dran an der fünfstelligen Zahl“, so Ewers. Die Gäste der ExtraSchicht sind dabei noch gar nicht mitgezählt worden: „Hier können wir die Zahl der Passagiere auf beiden Schiffen nur vermuten.“ Über 2.000 seien es sicherlich in der Nacht der Industriekultur gewesen.
Ausschlaggebend für dieses gute Ergebnis sei nicht unbedingt die Kulturhauptstadt. Ewers: „Am Kanal spüren wir den Tourismus nicht so stark wie am Baldeneysee. Die meisten Gäste kommen aus der Region. Ein weiterer Grund um auch nach der Kulturhauptstadt weiter zu machen.“ Die K2010-Projekte Emscherkunst und Kulturkanal brächten zwar ein paar Gäste auf die Schiffe, doch diese machen sich im Gesamten nicht so sehr bemerkbar.
„Das Kanalschiff hat seine Daseinsberechtigung erfüllt“, erklärt Kanal-Projektleiter und WFB-Sprecher Aleksander Farkas. Mit einem recht geringen Budget wurde das Maximum erzielt. „Jetzt gilt es, das Angebot sowie die Betriebsabläufe zu optimieren“, so Farkas weiter. Dazu gehöre vor allem die Infrastruktur: „Zum einen wollen wir mit den Städten eine bessere Ausschilderung zu den Anlegern schaffen, zum anderen müssen wir am Liegeplatz im Essener Stadthafen investieren“, nennt Farkas einige Optimierungsmaßnahmen für 2011. Der eine oder andere Weg sei aus logistischen Gründen bislang sehr aufwendig und verursache höhere Personalkosten als erwartet. Ewers: „Aber bevor wir optimale Bedingungen schaffen konnten, mussten wir erst abwarten, wie es läuft. Nun ist es soweit und wir hoffen, die Städte unterstützen uns dabei.“
Auch das Angebot wird angepasst. Der Linienverkehr soll auch 2011 mittwochs, samstags, sonntags und an Feiertagen von Mai bis September angeboten werden. „Die Strecke soll ebenfalls so bleiben. Derzeit prüfen wir noch, ob wir auf Bottroper Stadtgebiet anlegen können“, so Flottenchef Franz-Josef Ewers. Es habe sich gezeigt, dass die Route den Kundenwünschen entspricht. „Gerade Gruppen wählen oft die Strecke von Oberhausen zum Nordsternpark, steigen dort aus, besichtigen das Gelände und fahren mit dem nächsten Schiff wieder zurück“, beschreibt Aleksander Farkas eine der meist gewählten Touren der Gäste.
Bei den Sonder- und Programmfahrten wird sich ebenfalls nicht viel ändern. Bis auf die Bingo-Fahrten sowie die Panoramafahrt zu den Gelsenkirchener Häfen, die beide wegen zu geringer Nachfrage abgesagt wurden, wird das Angebot weitgehend so bleiben. „Einige Fahrten, die schnell ausgebucht waren, werden wir auch häufiger anbieten“, sagt der WFB-Sprecher.
Ein weiterer Schwerpunkt für die Kanalschifffahrt wird das Thema Fahrrad-Tourismus sein. „Die Nachfrage ist sehr groß. Wir werden gemeinsam mit der Ruhr-Tourismus GmbH, den örtlichen Touristikgesellschaften und dem ADFC ein Konzept erarbeiten. Die Fahrradmitnahme auf Schiffen ist nach wie vor logistisch schwierig. Aber wir haben Partner, die sich auf Fahrrad-Transporte spezialisiert haben“, verspricht Franz-Josef Ewers eine Lösung.
Franz-Josef Ewers lobt die Zusammenarbeit mit den Kommunen Gelsenkirchen und Oberhausen und ihren Touristik-Gesellschaften: „Ich bin begeistert, wie sie uns sowohl beim Vorverkauf in den Tourist-Infos als auch bei Werbemaßnahmen unterstützt.“