10.04.2012
Ein erneut verregneter Sommer 2011 hat die Verantwortlichen der Weißen Flotte Baldeney-GmbH (WFB) zum Umdenken veranlasst. Das Schifffahrtsunternehmen hat bei der diesjährigen Saisonplanung mehr Sonderfahrten ins Programm aufgenommen. „Diese sind zum einen sehr gefragt, zum anderen bringen sie wirtschaftliche Sicherheit“, erklärt Geschäftsführer Franz-Josef Ewers. Allein auf schönes Wetter und die damit verbundene, sogenannte Laufkundschaft wollen er und sein Team sich nicht mehr verlassen. Im Jahr 2011 war diese Umstellung schon erfolgreich: Die geringeren Einnahmen aus dem Linienverkehr konnten mit dem Zuwachs im Sonderfahrten-Geschäft die abgelaufene Saison retten und zu einem positiven wirtschaftlichen Ergebnis führen.
Rückgang im Linienverkehr
Rund 101.000 Fahrgäste stiegen 2011 auf die Schiffe der Weißen Flotte – ein sattes Minus von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Rückgang war nach der Kulturhauptstadt und einem der Leitprojekte, dem Ruhr-Atoll am Baldeneysee, vorhersehbar. „Kulturhauptstadt ist das eine, der verregnete Sommer bescherte uns aber einen viel deutlicheren Rückgang. Einer der stärksten Monate im Linienverkehr war der Oktober.“, so Ewers. Dennoch: Unter dem Strich konnte in die Schiffe investiert und ein kleines Plus von 10.000 Euro an den Gesellschafter, die Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (EVV), überwiesen werden.
Wie wichtig Investitionen an den Schiffen sind, belegt der Dieselverbrauch: In der Winterpause 2010/2011 wurden alle fünf Schiffe technisch für einen fünfstelligen Betrag generalüberholt. Die Folge war ein Rückgang des Dieselverbrauchs um 16 Prozent bei vergleichbarer Laufleistung. „In nackten Zahlen allerdings waren die Kosten für den Dieselverbrauch aufgrund der Preisanstiege höher“, beklagt der Flotten-Chef.
Neu: einstündige Rundfahrten auf dem See
Trotz rückläufiger Fahrgastzahlen in 2011 wird die WFB den Linienverkehr auf dem Baldeneysee und auf der Ruhr nicht reduzieren. Auf dem See werden täglich zwei Schiffe eingesetzt, die Ruhr wird sonn- und feiertags mit einem Schiff befahren. „Sonntags bieten wir auf dem See nun auch einstündige Rundfahrten von Hügel bis Heisingen an“, sagt Silvia Zeh, zuständig für den Vertrieb der Weißen Flotte. „Vielen Besuchern, gerade Familien, war eine spontane zweistündige Seerundfahrt zu lang.“
Neu ist auch das Tagesticket auf dem Baldeneysee. Mit dem personengebundenen Fahrschein können Gäste beliebig oft an einem Tag an den sechs Anlegern ein- und aussteigen. „Damit sind wir nicht nur auf die Wünsche der Kunden eingegangen, sondern auch die der Anrainer. Die Werbegemeinschaften in den Ortsteilen sowie die See-Gastronomen erhoffen sich durch diese Möglichkeit eine höhere Kundenfrequenz. Der Gast kann sich somit ein gesamtes Tagesprogramm rund um den See gestalten“, erklärt Marketing-Leiter Aleksander Farkas.
Die historische Fähre MS Isenberg wird auch 2012 gelegentlich zum Einsatz zwischen Hügel und Wehr kommen. Allerdings nicht mehr nach einem festen Fahrplan wie in 2011, als sie Spaziergänger und Radfahrer wegen der Wehrsperrung von einer Uferseite zur anderen gebracht hat. Die Fährfahrt kostet künftig zwei Euro für Erwachsene und einen Euro für Kinder oder Fahrräder – egal ob mit dem Linienschiff oder der gelegentlich eingesetzten Fähre.
Bleibt noch der Rhein-Herne-Kanal. Nach der erfolgreichen Premiere in 2010 sind auch im Essener Norden die Zahlen im Linienverkehr rückläufig und im Ergebnis „nur“ noch kostendeckend. „Auch hier sehen wir in erster Linie den verregneten Sommer als Hauptgrund für den Rückgang. Wir werden aber eine weitere Saison auf dem Kanal bleiben“, verspricht der WFB-Geschäftsführer. Durch verstärktes und gezieltes Marketing werde man versuchen, dem unternehmenseigenen Kulturhauptstadt-Projekt eine Nachhaltigkeit zu verleihen.
Deutlich erhöht hat die Weiße Flotte ihr Angebot an Sonderfahrten. Allen voran die Fünf-Schleusen-Fahrt, die als Tagestour seit Jahren Wochen im Voraus ausgebucht ist. Auch Sonderfahrten vom Kanal zum Schiffshebewerk Henrichenburg, zum Wasserbahnhof Mülheim oder zum Ruhrorter Hafen finden auf Grund der hohen Nachfrage öfter statt.
Online-Ticketing
Mit AD-Ticket hat die Weiße Flotte Baldeney ab April einen Partner für das Online-Ticketing. Kunden können künftig im Internet zu jeder Tageszeit ihre Karten kaufen, bezahlen und direkt ausdrucken. „Das ist kundenfreundlich und zeitgemäß und für uns eine enorme Arbeitsentlastung“, ist sich Franz-Josef Ewers sicher. Nach wie vor können Kunden ihr Ticket aber auch telefonisch bestellen, oder in den Vorverkaufsstellen, z.B. der EMG-Touristikzentrale am Handelshof, erwerben.
Höhere Diesel- und Energiekosten sowie die zu erwartende Tariferhöhung im öffentlichen Dienst zwingen das Unternehmen zu einer moderaten Preisanpassung in 2012 von zirka fünf Prozent im Schnitt. Einzige Ausnahme bleibt die Kanallinie, die nicht erhöht wird. Ewers: „Das letzte Mal wurden die Fahrpreise in 2010 erhöht.“
Die Linienfahrten beginnen am 29. April und enden am 3. Oktober 2012 (Kanal vom 2. Mai bis 30. September). Davor und danach behält sich die Weiße Flotte vor, nur auf Nachfrage zu fahren. Oder – wie 2011 – bei sommerlichem Wetter im April, Oktober und November informiert die WFB tagesaktuell auf ihren Internetseiten ob gefahren wird oder nicht.